Heinrich Rieger, Sibiu

Advertisement in the newspaper Siebenbürgisch-Deutsches Tageblatt, 22.2.1905

[Source: DiFMOE (relevant page), cited 2026]

Text: Offene Antwort auf den im Anzeigenteile des 'Siebenb. Deutschen Tageblattes' (Ur. 9478) an mich gerichteten 'Offenen Brief' der Herren M. Samuel Rubinstein und Schnell.
Ich habe tatsächlich keine Kenntnis davon, daß mein Angestellter in der im 'Offenen Briefe' geschilderten Weise vorgegangen wäre oder vorgehen würde; ich kann auch aus dem Grunde keine Kenntnis davon haben, weil es einfach nicht wahr ist.
Allerdings habe ich vom Gegenteil Kenntnis — und kann mich nicht nur auf die Zeugenschaft der Nachbarn berufen, sondern auch — wenn nötig, durch einen Polizeimann und zufällig anwesende Kunden bezeugen, daß Herr Rubinstein seine Angestellten vor meinem Geschäftslokale Posto fassen und die Leute anreden läßt, nicht in mein, sondern in sein Geschäft zu gehen. Ich konnte hierüber mit Gleichmut hinwegsehen, weil die Käufer trotz allen Zuredens mein elegant eingerichtetes, bestabgelagerte und preiswürdige Waren führendes Geschäft bevorzugen. Nichtsdestoweniger sehe ich mich angesichts der in dem 'Offenen Brief' enthaltenen Provokation nunmehr gezwungen, gegen ein solches unqualifizierbares Vorgehen öffentlich Verwahrung einzulegen und die Beurteilung der Frage, wen der Vorwurf unlauteren Wettbewerbes treffen soll, auch meinerseits dem unparteiischen Publikum zu überlassen. Daß ich seit Uebersiedelung in mein neu erbautes Haus darauf achten lasse, daß meine Kunden, die das alte provisorische Lokal suchen, oder das neue, elegante Lokale nicht als das schon seit mehr als ein Vierteljahrhundert bestehende alte Gaschäft erkennen — soweit dies bemerkbar ist und die Zeit es zuläßt — über die Sachlage Aufklärungen erhalten, wird mir gewiß kein billigdenkender Mensch verübeln. Aber niemand kann behaupten, daß einer meiner Angestellten sich auch nur einen Schritt von meinem Geschäftslokale behufs solcher Aufklärungen entfernen würde, wogegen Herr Rubinstein seine Angestellten bereits wiederholt knapp vor mein Geschäft stellte und sie den Käufern bis in die Burgergasse entgegenziehen ließ.
Es ist einfach unschöner Brotneid und überhitzte Phantasie — hervorgerufen durch den Anblick meines neuen Geschäftslokales, welches in seiner geschmackvollen Ausstattung sowohl, als auch in Bezug auf das darin Gebotene seinesgleichen in dieser Branche bisher in Hermannstadt nicht hatte und vielleicht auch durch den allgemein schlechten Geschäftsgang, der den einen glauben läßt, daß der andere das Geschäft macht, während es faktisch von keinem gemacht wird — was zu solchen ungerechtfertigten Gewaltschreien Veranlassung bieten dürfte. Ich meinerseits berufe mich auf meine mehr als 35jährige makellose, streng reelle Tätigkeit auf hiesigem Platze, die mich berechtigen könnte, durchsichtige Insinuationen mit Stillschweigen übergehen, aber ich unterwerfe mich beruhigt dem Urteile des p.t. Publikums, welches ich bei dieser Gelegenheit bitte, mich in meinem ganz neu erbauten, den modernsten Anforderungen nach jeder Richtung entsprechend eingerichteten, eleganten Verkaufslokale, wo es nicht nur schön ist, sondern wo man auch mir guter und billiger Ware bedient wird, mit seiner Kundschaft beehren zu wollen.
Hochachtungsvoll Heinrich Rieger, Liqueur-Fabrik, Hermannstadt, Elisabethgasse Nr. 7.

English: Open Response to the 'Open Letter' directed to me by Messrs. M. Samuel Rubinstein and Schnell in the advertisement section of the 'Siebenb. Deutschen Tageblattes' (No. 9478).
I actually have no knowledge that my employee has proceeded or would proceed in the manner described in the 'Open Letter'; I also cannot have knowledge of this for the reason that it simply is not true.
However, I have knowledge of the opposite - and can rely not only on the testimony of neighbors, but also - if necessary - have it witnessed by a policeman and customers who happened to be present, that Mr. Rubinstein has his employees take position in front of my business premises and address people not to go into my shop, but into his shop. I could look upon this with equanimity because buyers, despite all persuasion, prefer my elegantly furnished shop carrying the best-stored and reasonably priced goods.
Nevertheless, in view of the provocation contained in the 'Open Letter,' I now find myself compelled to publicly protest against such unqualifiable behavior and to leave the judgment of the question of who should be hit by the accusation of unfair competition also on my part to the impartial public.
That since moving into my newly built house, I have it ensured that my customers who seek the old provisional premises or do not recognize the new elegant premises as the old business that has existed for more than a quarter century - insofar as this is noticeable and time permits - receive clarification about the situation, surely no fair-thinking person will blame me for. But no one can claim that any of my employees would move even one step away from my business premises for the purpose of such clarifications, whereas Mr. Rubinstein has already repeatedly positioned his employees just in front of my business and had them approach buyers as far as Burgergasse.
It is simply ugly professional jealousy and overheated fantasy - caused by the sight of my new business premises, which in its tasteful furnishing as well as regarding what is offered therein has had no equal in this branch in Hermannstadt until now, and perhaps also by the generally poor business conditions, which make one believe that the other is doing business, while in fact it is done by no one - which might give occasion to such unjustified violent outcries.
For my part, I refer to my more than 35-year spotless, strictly honest activity at this location, which could entitle me to pass over transparent insinuations with silence, but I submit calmly to the judgment of the esteemed public, which I ask on this occasion to honor me with their patronage in my completely newly built, elegantly appointed sales premises equipped according to the most modern requirements in every direction, where it is not only beautiful, but where one is also served with good and cheap goods.
Respectfully, Heinrich Rieger, Liqueur Factory, Hermannstadt, Elisabethgasse No. 7.

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